Installation und Nutzung von Geany außerhalb der gewohnten Pfade
Unter unixoiden System werden die global installierte Programme in der Regel nach /usr/ bzw. /usr/local installiert (auf die durchaus gegebene Ausnahmen wie /bin, /sbin/ und /opt/ möchte ich hier nicht eingehen). Für den Admin hat dies den Vorteil, dass Anwendungen, einmal installiert, im Grunde jedem Benutzer auf dem System zur Verfügung stehen. Natürlich freut das auch den Anwender, da er sich nicht extra seine Version von OpenOffice oder Firefox installieren muss, sondern nur die lokalen Konfigurationsdateien in seinem Heimatverzeichnis verwalten muss.
Nun kommt es aber vor, dass ein Nutzer seine eigene Version eines Programms installieren möchte, weil er zum Beispiel eine aktuelle Version benötigt oder bestimmte Optionen während des Übersetzens des globalen Paketes nicht gesetzt wurden. Besonders häufig tritt dies bei Entwicklern auf, die eine Anpassung testen möchten oder eine Entwicklerversion in einer realitätsnahen Umgebung testen wollen. Da die User in der Regel aus Sicherheitsgründen nicht nach zum Beispiel /usr/local schreiben können und sie so natürlich auch die Version der anderen Nutzer verändern würden, müssen sie die Software in ihrem Heimatverzeichnis oder einem anderen unabhängigen Verzeichnis installieren. Unter Linux und Co in den meisten Fällen aber kein Problem. So auch bei Anwendern der Entwicklerversionen von Geany. Besonders interessant wird es, wenn ein Geany-Plugin gegen die Entwicklerversion kompiliert werden soll. Deswegen ein kurzes HowTo dafür:
Installieren von Geany in ein lokales Verzeichnis
Die Installation, vorausgesetzt alle Abhängigkeiten sind auf dem Zielsystem erfüllt, in ein abweichendes Verzeichnis ist relativ einfach. Nimmt man zum Beispiel waf zum Übersetzen von Geany, kann dies mit
./waf configure --prefix=/home/some_user/local && ./waf build && ./waf install
erfolgen. Dabei wird über den Parameter --prefix
von waf configure dem Skript gesagt, es soll Geany
nach /home/some_user/local installieren.
./waf build bzw. ./waf install
kompilieren und installieren dann Geany in den angegeben Pfad.
Wichtig dabei ist, dass der angegebene Pfad immer ein absoluter Pfad
sein muss.
Ob es geklappt hat, kann man in der Zusammenfassung von ./waf
configure erfahren. Dort gibt es einen Eintrag, ähnlich zu
diesem hier:
Install Geany 0.19 in : /home/some_user/local
der darüber Auskunft gib, wohin Geany nun tatsächlich installiert werden soll.
Nach ausführen von ./waf build && ./waf install
sollte sich die ausführbare Datei von Geany tatsächlich im
angegeben Pfad im Unterverzeichnis bin befinden. Um Geany zu starten,
muss man es dann über den neuen Pfad aufrufen. Dies könnte
zum Beispiel bei dem oberen Beispiel über
/home/some_user/local/bin/geany passieren. Ist das auf
Dauer zu viel Aufwand, kann man die PATH-Variable anpassen, so
dass ebenfalls in ~/local/bin/ gesucht wird. Dazu
könnte ungefähr diese Zeile in der jeweiligen
Konfigurationsdatei der Shell eingetragen werden:
export PATH="/home/some_user/bin:/home/some_user/local/bin/:$PATH"
Wodurch der Pfad /home/some_user/bin sowie
/home/some_user/local/bin in den Suchpfad mit eingetragen
wird. Ein Aufruf von geany wird nun direkt die lokale Installation
starten — die globale Installation muss dann im Gegenzug
über /usr/local/bin/geany bzw.
/usr/bin/geany.
Übersetzen der Plugins
Anpassen der Umgebung
Die meisten Plugins suchen beim Kompilieren nach dem PKG für
Geany. Um sicher zu stellen, dass diese auf die richtige Version von
Geany, unsere lokal installierte, zurück greifen, muss man
etwas Überzeugungsarbeit leisten. Ein möglicher Weg dazu
ist es, die Veriable PKG_CONFIG_PATH analog zur weiter oben
beschrieben PATH-Variable entsprechend zu setzen. Geht man davon
aus, dass Geany nach /home/some_user/local installiert
wurde, könnte der Befehl ungefähr so aussehen:
export PKG_CONFIG_PATH=/home/some_user/local/lib/pkgconfig/:/usr/lib/pkgconfig
Dies sorgt dafür, dass in der Reihenfolge:
- /home/some_user/local/lib/pkgconfig/
- /usr/lib/pkgconfig
nach Informationen über Geany gesucht wird. Im Idealfall findet als das Tool die Daten für die lokale Version von Geany vor den globalen und kompiliert im Ergebnis gegen die Entwicklerversion. Wer gewöhnlich mit der lokalen Instalaltion arbeitet, kann diese Zeile auch bequem in die .zshrc oder die entsprechend andere Konfigurationdatei der der Shell eintragen.
Übersetzen und Installieren
Die meisten Plugins können inzwischen ebenfalls über
waf übersetzt werden. So kann also wieder die von
oben bekannte Zeile in eventuell leichter Abwandlung zum Einsatz kommen:
./waf configure --prefix=/home/some_user/local && ./waf build && ./waf install
Die Plugins sollten nun gegen das lokale Geany kompiliert worden
sein und werden, analog zu Geany selbst, nach
/home/some_user/local/ installiert.
Bei einem Start von Geany sollten nun sowohl Geany selbst als auch die Plugins in der loaklen Version geladen werden.
Mögliche Probleme
Es könnte vorkommen, dass Plugins nicht richtig gefunden oder geladen werden können. Die Ursache hierfür liegt möglicherweiße darin, dass Geany die Pfade zu den Plugins die in einer früheren Sitzung geladen wurden, vollständig speichert und es so zu Inkompatibilitäten kommen könnte.
In solch einem Fall reicht es, die Pfade innerhalb der
Konfigurationsdatei von Geany zu änderen. Diese findet man unter
den meisten Installation
unter ~/.config/geany/geany.conf. Wichtig dabei ist, dass
diese Änderungen mittels einem anderem Editor bei geschlossenen
Geany durchgeführt werden sollten.
Alternativ sollte das Problem nicht auftreten, wenn vor der Nutzung der lokalen Version alle global installierten Plugins deaktiviert werden.




